
Am 16. April 2026 lud die Goethe-Gesellschaft zu einem ebenso anregenden wie erkenntnisreichen Vortrag ein. Die Literaturwissenschaftlerin Nina Doejen gewährte Einblicke in ihr Dissertationsprojekt unter dem Titel „Über den Text hinaus: Autofiktionale Kommunikation am Beispiel Saša Stanišić“.
Im Zentrum ihrer Forschung steht eine Erweiterung der bisherigen Autofiktionsforschung: Statt ausschließlich zu fragen, was Autofiktion ist, richtet Doejen den Blick auf die Frage: Was kann Autofiktion? Dabei verschiebt sie die Perspektive vom Text hin zu einem umfassenderen Verständnis von autofiktionaler Kommunikation.
Anschaulich machte sie diesen Ansatz am Werk und öffentlichen Auftreten des Autors Saša Stanišić. Dessen literarische Texte, aber auch Blogbeiträge, Social-Media-Aktivitäten und sogar eigene Rezensionen – etwa auf Plattformen wie Goodreads – lassen sich als Teil eines vielschichtigen autofiktionalen Spiels lesen. Immer wieder werden dabei die Grenzen zwischen Realität und Fiktion bewusst verschoben und neu verhandelt. Gerade in dieser Spannung entfaltet sich das kommunikative Potenzial der Autofiktion, die nicht nur erzählt, sondern aktiv mit den Erwartungen ihrer Leserinnen und Leser spielt.
In der anschließenden Diskussion wurde dieser Ansatz lebhaft aufgegriffen.
